Es hat sich mittlerweile schon beinahe zu einer kleinen Tradition entwickelt, dass eine kleine aber bislang jährlich wachsende Schar wackerer Carolinger sich während des Sommers zu einer kleinen Wanderung zusammenfindet, welche unabhängig von den Aktivitäten der hochwohllöblichen Marschbrigade 13 durchgeführt wird. Ging es die letzten Jahre auf die grosse Mythen und auf den Druesberg, sollte es dieses Jahr, auf vielseitigen Wunsch der Mitwanderer, eine etwas weniger steile Route sein. Ebenfalls gewünscht wurden bessere Logistikverhältnisse sprich mehr Gelegenheiten zur Einkehr. Der Schreibende zerbrach sich ob diesen Restriktionen ein wenig den Kopf, entschied sich dann aber für eine klassische Altmänner-Tour auf dem schönen Ybrig. Und so ging es an einem schönen Juli-Wochenende los. Blitz, Doc, Gigi, Lauch sowie der Schreibende trafen sich um 7 Uhr in der Früh am HB. Zur Standardausrüstung gehörten neben den obligaten Verbindungsutensilien selbstverständlich prall mit albanischem Schnaps (vgl. den Artikel über die Carolinger Albanienreise) gefüllte Flachmänner sowie zahlreiche Rauchwaren (d.h. neben schnöden Zigaretten auch die schmackhaften Villiger „Krummen“). Natürlich durfte auch der einzige „Bori“ nicht fehlen, dieser sollte an diesem Tag jedoch in der Hose bleiben. Mit dem Zug ging’s auf Schwyz, um dort das Posti auf die Ibergeregg zu besteigen. Zu unserem Erstaunen mussten wird dort zum normalen Fahrpreis je eine Zusatzpauschale von 5 Franken bezahlen, da der Kanton diese Linie nicht mehr länger subventioniert. Ein instruktives Beispiel dafür, was der exzellente ÖV der Schweiz den Benutzer kosten würde, wenn es keine grosszügigen Bundes- und Staatssubventionen gäbe.

Wie dem auch sei, der freundliche Postautofahrer fuhr uns fünf einzigen Gäste dann doch auf den Pass, welcher die Region Ausserschwyz (d.h. Einsiedeln & die Schwyzer Gebiete am Zürichsee) mit dem Rest des Kantons verbindet. Auf der Ibergeregg wurde ein kräftiger Schluck aus dem Flachmann genommen und die ersten Krummen gezündet und dann ging’s wackeren Schrittes los vorbei an zwei merkwürdigen Felszähnen – dem Chli und Gross Schijen – Richtung Osten. Ein kleiner Abstecher galt dem dritten der Schijen, dem Hudelschijen – ebenfalls ein sonderbarer Felszahn, welcher aus den angrenzenden Sumpfweiden herausragt. Weiter ging’s um einen felsigen und dunklen Waldrücken herum, welcher den schönen Namen Mördergruebi trägt. Gegen Mittag langten wir so auf der Fuederegg an, wo es einige selten hässliche Bausünden, eternitbeschalte Ferienheime aus den 70ern, zu bestaunen galt. Da die Kehlen dürsteten und die Mägen knurrten, kehrten wir ein erstes Mal ein und genehmigten uns Cordon Bleu, Wurst-Käse-Salat sowie das eine oder andere Bierchen. Gestärkt nahmen wir am Nachmittag den nahegelegenen Roggenstock in Angriff. Dieser kleine aber doch sowohl landschaftlich als auch aussichtsmässig attraktive Berg wurde in Rekordzeit erstürmt. Passend zu seiner geologisch aussergewöhnlichen Beschaffenheit (dieselben Dolomitgesteine findet man erst wieder in den Ostalpen sowie an den vorhin erwähnten Felszähnen der Schijen), wartet der Roggenstock auch mit einer etwas exotisch anmutenden Flora auf: die steilen Dolomithänge sind mit Legföhren (Latschen) bewachsen, welche einen deutlichen Kontrast zu den Rottannen bilden, welche sonst die Schwyzeralpen dominieren. Die spektakuläre Aussicht auf den Zürichsee sowie in die Glarner und Innerschweizer Alpen konnten wir aber leider nur erahnen: dichter Nebel hinderte uns daran auch nur 30 Meter weit zu sehen. Der Abstieg verlief ohne nennenswerten Zwischenfälle, wenn man von einigen dreckigen Hosenböden absieht, welche sich einige turnschuh-besohlte Teilnehmer zuzogen. Ein klassischer Materialfehler. Direkt am Ostfuss des Roggenstocks liegt die gastliche Hütte der Roggenegg; daselbst wurde selbstverständlich eingekehrt. Eine Tafel vor der Hütte versprach Unglaubliches: 50 verschiedene Sorten an Kafi Luz zu jeweils 5 Franken sowie „200 Getränke mit Alkohol“. Das liessen wir uns nicht zweimal sagen und kurz darauf standen Kacheln vor uns, aus welchen durchsichtiger Kaffee dampfte; den dazugehörigen Schnaps konnte man sich selbst nach Belieben einschenken. Doc, welcher in Aussicht auf sein baldiges Staatsexamen den ganzen Tag bereits den Schokoladisten gegeben hatte, trank Mineral und rauchte dazu eine Zigarette, was die freundlich-resolute und ziemlich redselige Wirtin dazu animierte ihn (den angehenden Arzt!) als Suchthaufen zu titulierten. Die restliche Korona schlürfte derweilen ungerührt Kafi Luz und zog an den Krummen. Ungern brach man nach einigen Luz und Bieren langsam auf und „schritt“ das Tal hinab Richtung Oberiberg. Daselbst wurde nochmals kurz eingekehrt und dann mit Posti und Bahn via Einsiedeln-Wädenswil der Heimweg angetreten. Es war eine schöne Tour und nächstes Jahr wird es dann vielleicht alpinistisch wieder etwas strenger……

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